Eigentlich wollten die Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann mit ihren Experimenten in den 1930er Jahren auf etwas ganz anderes hinaus. Uran, das damals schwerste bekannte Element, soll noch größer gemacht werden. Gesagt, getan: Die beiden Wissenschaftler bestrahlen Uran-Atomkerne mit Neutronen, in der Hoffnung, dass schwerere Elemente, sogenannte Trans-Urane entstehen. 

Der Knackpunkt passiert im Dezember 1938 – und zwar wortwörtlich. Denn da machen Otto Hahn und sein Assistent eine unerklärliche Entdeckung. Aus der Bestrahlung von Uran ist Barium entstanden, kein schwereres, sondern ein leichteres Element als zuvor. Die richtige Erklärung dafür hielt man bis dato für eine wissenschaftliche Unmöglichkeit: Der Atomkern war – wie soll man es beschreiben – zerplatzt, getrennt, geknackt, gespalten. Hahns und Straßmanns anfängliche Verwunderung kehrt sich schon bald in grenzenlose Faszination, mit der sie die ganze Wissenschaftswelt anstecken. Ein Jahr später liefert ihre Kollegin Lise Meitner auch die physikalische Erklärung für die Kernspaltung. 1944 erhält Otto Hahn den Nobelpreis für Chemie. 

Währenddessen bedienen sich auch die Industrie und das Militär der Entdeckung. 1942 geht der erste Kernreaktor in Betrieb, 1945 zerstört die erste Atombombe Hiroshima und Nagasaki. Hahn und Straßmann sprechen sich dabei immer wieder gegen die militärische Nutzung der Kernspaltung aus und unterzeichnen ein Manifest gegen strategische Atomwaffen. 

So läutet ein einzelner geknackter Kern das umstrittene neue Zeitalter der Atomenergie ein. Nach dem Krieg werden auch friedliche Anwendungen der Atomenergie bekannt und verbreitet, etwa in der medizinischen Diagnostik.