Digital Design Days + Offf 2016, Mailand Edition

von Christopher Gram / 2. November 2016
Digital Design Days + Offf 2016, Mailand Edition

Design als verbindendes Element

"Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich."

Johann Wolfgang von Goethe, Prometheus, 1772

– 

Goethes altbekannte Hymne über Prometheus aus dem Jahre 1772 hat nach rund 250 Jahren wahrlich nicht an Aktualität verloren; sie ist in der digitalen Welt aktueller denn je. Denn im Kern beschreibt sie einen Zeitgeist von unüberschaubarer, blitzschneller (Technologie-)Erweiterung ohne kontrollierendes Medium. Eine Gesellschaft, die immer tiefer in einen Strudel von Konsum und technischer Entwicklung in eine ungewisse Zukunft driftet.  

Ein perfekter Zeitpunkt also für mich, verantwortlicher Art Director Digital bei Aclewe, die Design- und Entwicklungs-Elite im Rahmen der Digital Design Days und dem Offf Festival 2016 in Mailand zu besuchen, um über aktuelle Entwicklungen, Problemlösungen, Workflows und Case Studies zu diskutieren.

Das Programm mit über 50 Sprechern las sich wie die Shortlist einer renommierten Award-Vergabe.

Neben Microsoft und Google und bekannten Agenturen, wie Hello Monday, IDEO, Sehsucht, Vasava, Mediamonks, Mucho, Accurat und Unit9, gaben sich auch Freelancer und Creative Directors, wie Anton RepponnenAlex JenkinsHector Ayuso und Jakob Kahlen, die Ehre, in das Meeting mit einzusteigen. Damit war gefühlt jede zweite Website, welche ich bei mir im Browser unter "Best Practise" gebookmarked hatte, zu irgendeinem Zeitpunkt zur genaueren Analyse auf der Bühne im Mittelpunkt.

Bei dieser breiten Masse an Expertise prallten viele digitale Extreme aufeinander und es wurde ein extrem breites Spektrum an Inhalten abgedeckt. Von aktuellen Trend-Themen, wie Augmented, Mixed und Virtual Reality, Big Data, Digital Storytelling, wurden auch eher klassische Themen, wie digitale Workflows, Umgang mit Kunden und Case Studies behandelt.

Reduziert man alle Beiträge auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, so bleibt die Rolle des Designers in dieser eingangs beschriebenen so schnelllebigen Zeit. In den letzten Jahren hat die Technik so viele Neuerungen und Möglichkeiten hervorgebracht, dass sie sich vom Menschen entfernt und entfremdet hat. Folgt man den überwiegend einheitlichen Meinungen der Sprecher, so ist die zukünftige Aufgabe der Designer, diese Lücke von Mensch zu Technik wieder zu schließen. Die übergreifende Idee und das große Bild der Zukunft muss demnach lauten, Mensch und Technik wieder zusammenzuführen und dem Menschen die Angst vor technischen Neuerungen zu nehmen, Maschinen zu emotionalisieren. Die Rolle des Designers wird sich in Zukunft dahingehend verändern beziehungsweise fokussieren, dass er noch stärker als bindendes Element zwischen Mensch und Maschine interagieren muss. 

Diesen Prozess werde ich bei Aclewe in meiner täglichen Arbeit mitgehen und unterstützen. Denn Technik sollte sich im Umgang mit ihr nie wie ein Fremdkörper anfühlen und Spaß machen. Ist dies nicht der Fall, weitet sich die Kluft zwischen ihr und der Gesellschaft.

Abschließend gesagt, waren die Digital Design Days + Offf 2016 für mich ein hochinteressantes Event ohne großes Chichi im Umfeld, bei dem es um relevante Inhalte ging. Ich nehme einiges an Inspirationen, Philosophien und Denkansätzen von der Veranstaltung mit und werde sie in meine tägliche Arbeit mit einfließen lassen!


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